Das Ende der Controller

Keynote Michael R. Grunenberg„Wenn wir von Controlling (Controllership) sprechen, meinen wir die Funktion; wenn vom Controller die Rede ist, ist der Aufgabenträger gemeint, der das institutionalisierte Controlling wahrnimmt. Controlling zu „machen“ im Sinne von Steuerung der Leistungsprozesse ist Managementaufgabe. Der Controller liefert und betreut die Systeme, Methoden und Informationen zur Wahrnehmung des Controllings. Er steuert also nicht selbst.“ (Peter Horváth, Controlling, 12., vollständig überarbeitete Auflage 2011 )

Controller als Data Analysis Specialist

Peter Horváth postuliert, daß der Controller nicht „selbst steuert“, sondern als Zulieferer für das (steuernde!) Management dient. Soweit die (theoretische) Gegenwart. In Zukunft muß man wohl einen Schritt weiter gehen: Der Controller „liefert und betreut“ nicht nur „Systeme und Methoden“, sondern wird in Zukunft einen wesentlichen analytischen Beitrag liefern, um Controlling möglich zu machen. Aus dem Controller wird der Data Analysis Specialist.

Der Controller steuert nicht

Der erste Schritt ist, zu bekennen, daß das Controlling nicht in der Abteilung „Controlling“ stattfindet. Es mag Controller irritieren, aber sie steuern bereits heute nicht, haben „genaugenommen nichts mit der Unternehmenssteuerung zu tun“ (Michael R. Grunenberg). Vielmehr liefern sie in der gelebten Realität mehr oder weniger zusammengefaßte Daten und sind zudem mit der Gestaltung von Berichten beschäftigt. Manchmal fällt Ihnen auch die Rolle des „Bad Cop“ in Kostengesprächen zu.

Business Intelligence und Digitalisierung

Im zweiten Schritt geht es darum, die Möglichkeiten des Managements heute und in Zukunft zu betrachten. Die technischen Hebel zum reaktiven, zeitnahen Controlling sind „BI“ (Business Intelligence) und OLAP-Cubes, die adhoc-Zugriffe und entsprechende Analysen zulassen. Das technische Equipment verändert bereits heute die Steuerungsmöglichkeiten des operativen Managements und wird es in naher Zukunft weitgehend revolutionieren. Der kaskadierende Datenzugriff unter operativen Fragestellungen wird in absehbarer Zeit problemlos möglich sein. Entsprechend wachsen die Anforderungen an die Reaktivität des Managements und entsprechend wird sich die Aufgabe der heutigen „Controller“ verändern.

Der Manager wird sein Controlling selbst machen

Und das ist der dritte Schritt in Richtung der „neuen“ Controller. Wenn Daten sowohl vorstrukturiert als auch der Adhoc-Analyse immer leichter und schneller zugänglich werden, wird auch die Interpretation der Daten zunehmend beim Management liegen – wobei hier der anglo-amerikanische  Begriff des Managements in Abgrenzung vom „Executive“ beachtet werden sollte. Das Management wird es sich aus Zeitgründen und aus Gründen der Führungsqualität bald nicht mehr leisten können, eine eigene Stabsstelle zu nutzen, deren Aufgabe in der Datenkollektion liegt. Aber auch Ampelsysteme, die in den letzten Jahren immer öfter propagiert wurden, werden in einem komplexeren und schnelleren Umfeld versagen. Der Manager wird sein Controlling selbst machen.

Controller im Performance Measurement

Und der Controller? Er wird akademischer werden müssen und vor allem mathematischer. Als Spezialist für die „richtige“ Datenanalyse wird er dann wohl doch noch zu dem internen Berater, der er schon heute immer sein wollte. Nur wird er nicht Daten analysieren, sondern Hilfestellung zur relevanten Datenanalyse geben, zu Signifikanzen Auskunft geben und Ergebnisse bezüglich ihrer Validität überprüfen. In einer anderen Ausprägung wird es um Performance Measurement gehen, also um die exakte Beschreibung und Leistungsmessung von Unternehmensprozessen. Dort werden wir noch einige alte Controller-„Gene“ finden, aber in einer anderen Aufgabenstruktur und in anderer Verantwortung.

In die gleiche Richtung wirkt die zunehmende Volatilität der Märkte. Erfahrungen werden an Nutzen verlieren, während statistische Analysefähigkeit und schneller Zugriff auf strukturierte und der Analyse zugängliche Daten strategische Marktvorteile versprechen.

Controller der Zukunft

In Zukunft wird es zu den Kernkompetenzen der heutigen Controller gehören, stochastische Analysen zu liefern und Aussagen über statistische Signifikanzen zu treffen. Unternehmen, die klassisches Berichtswesen betreiben, werden in aller Stille untergehen. Wer sich heute darauf verläßt, daß er ein „Controlling“ (Berichtswesen und Kennzahlenanalyse) installiert hat, wird unsanft erwachen.

Und das wird all den Managern und Unternehmern, die irrtümlicherweise das Controlling den Controllern überlassen, erhebliche Wettbewerbsnachteile verschaffen oder ihre Unternehmen in den Ruin führen, wenn sie nicht schnell umsteuern und die internen Strukturen so verändern, das dezentralisierte Steuerung möglich wird, die Steuerung auch faktisch auf das Management verlegt und Controlling zum integralen Bestandteil der Führungsfunktion wird.

All das bedeutet das Ende der heutigen Controller – und den Anfang für Ihre neue Rolle.

Dieser Vortrag als Keynote?

Vortragsagenda:

Heute schon von gestern: Theorie contra Realität
Der Problemkern: Zu kurz gesprungen
Die Möglichkeiten: Technologie macht Wege frei
Paradigmenwechsel: Der Chef ist Controller
Das zwingende Ereignis: Turbulente Märkte
Die Verlierer: Gute Schüler
Die Gewinner: Firmen und „Freaks“

 

Rufen Sie gerne an (040 544 133, Michael R. Grunenberg) oder senden Sie eine E-Mail an info@grunenbergconsulting.de  

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